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...für Macher aus der Wirtschaft


Digitalisierung im Gesundheitswesen ohne jede Alternative und ohne weitere Schonfristen

2.Digitalisierungsgipfel für das Gesundheitswesen mit spannendem Content

von J.M.Mielert, Heide

 

Bei dem am 15./16. November 2019 stattgefunden 2.Digitalisierungsgipfel für das Gesundheitswesen trafen sich die 100 führende Akteure und Meinungsbildner mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft zu einem interdisziplinären Meinungsaustausch im Hotel Adlon in Berlin. Was längst zu erkennen ist, wurde vom Bundesministerium für Gesundheit mit erfrischend klaren Worten hinter verschlossenen Türen benannt: ab dem 2. Januar 2021 wird jeder Akteur im Gesundheitsbetrieb, ob Landarzt oder Klinikkonzern, ob Versicherungsunternehmen oder noch so kleine Apotheke auf dem Dorf die volle Wucht des Sanktionsapparates zu spüren bekommen, wenn bis dahin nicht die vollständige Umsetzung der Digitalisierung des Alltagsbetriebes inclusive der Bereitstellung von Daten für die elektronische Gesundheitsakte für gesetzlich Versicherte einschliesslich der Einbindung von Konnektoren in Praxen aller Disziplinen mit Kassenzulassung abgeschlossen wurde. Im Einzelnen legte das Ministerium klare Zahlen vor. 

 

In den kommenden 13 Monaten werden


109 gesetzliche Krankenkassen

70 Millionen gesetzlich Versicherte

2000 Kliniken

20.000 Apotheken

176.000 Haus-, Fach- und Zahnarztpraxen

2,3 Millionen sonstige Gesundheitsfachberufe und -handwerker

 

die Einbindung in die Vernetzung mit der GEMATIK abschliessend bewerkstelligt haben müssen. 

 

Das ist zweifellos das ambitionierteste Technisierungsvorhaben, welches je in Deutschland gab. Das BMG gab jedoch sehr deutlich zu verstehen, dass nicht der Minister die Akteure in das System einbinden lassen werde, sondern die Akteure sich an das System anschliessen müssten.  Es wurden treffende Vergleichsbeispiele angeführt, die die Lösbarkeit eines technisch orientierten Ansinnens verdeutlichen. Um 50 Millionen Teilnehmer für ein System zu erreichen, bedurfte es ab Einführung der analogen Telefonie in Deutschland 50 Jahre. Um 50 Millionen Menschen in die Technologie und den alltäglichen Umgang mit Smartphones zu integrieren, bedurfte es 12 Jahre. Um 50 Millionen Menschen für ein online-moduliertes Spiel wie "Pokemon go" zu erreichen, wurden gerade einmal 19 Tage benötigt. Dies verdeutlicht Entwicklungsschritte, die vor dem jeweiligen Start eines Produktes  niemand prognostiziert hätte. Im Jahre 2017 gab es beispielsweise nur in Schleswig Holstein 17 Millionen Patienten-Arzt-Kontakte, sei es ein kurzer Anruf in der Praxis oder eine persönliche Konsultation oder ein stationäres Ereignis. Diese Zahlen belegen, dass neue, andere, moderne Kommunikationstools alternativlos sind und der Erfolg gibt den Akteuren in anderen Ländern Recht.

 


Das Bundesministerium für Gesundheit wird die Umsetzung bis zu diesem Stichtag mit allen nur denkbaren Unterstützungsangeboten begleiten, kennt aber ab dem 2. Januar 2021 keinen Verhandlungsspielraum mehr und lässt dann Sanktionen in Höhe von 2,5% des kompletten Jahresverwaltungshaushaltes der gegen die Richtlinien verstoßenden Akteure bescheiden.Der Sanktionshebesatz wurde bewusst von 0,5 auf 2,5% erhöht, um die Sache mit Nachdruck ins Ziel zu bringen. Sanktionen dürfen nicht aus der Portokasse bezahlbar sein. Ausdrücklich klar gestellt wurde, dass man nicht über eine „Kann“-Regelung spricht, sondern über eine „Muss“-Vorgehensweise. Das Ministerium ist sich der Tragweite des Projektes bewusst und kennt auch die Vorbehalte, Kritiken und widerstreitenden Meinungen. Es wurde im Ergebnis jedoch argumentiert, dass man datenschutzrechtliche Handicaps oder auch Fehlstellungen selbstverständlich erst dann sprechen kann, wenn es überhaupt Datenströme und flächendeckende Anwendungen gibt und unbedingt zu vermeiden sei, dass man hier synthetische Debatten mit rückwärtsgewandten Denkansätzenbefeuert. Die Bundesrepublik Deutschland hat eines der besten medizinischen Versorgungssysteme weltweit, ist aber im Hinblick auf moderne Kommunikationsanwendungen der führenden 18 Staaten der Welt auf Platz 17. Das ist zu ändern und das wird geändert werden, notfalls gegen jede Kritik. 


Es ist in das Umsetzungsszenario auch eingepreist, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Leistungserbringern aufgeben oder scheitern wird. Die Marschrichtung ist absolut eindeutig und wurde klar benannt: auch wenn ein Arzt oder eine Apotheke beabsichtigen, nur noch wenige Jahre im Markt zu agieren, werden sie dennoch sofort auf alle digitalen Module und interaktive Kommunikationumstellen müssen. Es wird auch keine weiteren Übergangs- oderSchonfristen geben, selbst Härtefälle bleiben ausgeschlossen. Auch ein „Fahrzeug, das man möglicherweise nur noch kurze Zeit benutzen will, darf man nicht mit abgelaufener TÜV-Plakette bewegen“, so die klare Ansage aus dem Ministerium, um den ultimativen Handlungsrahmen auch gegenüber denjenigen Leistungserbringern allgemeinverständlich zu formulieren, die argumentieren, dass sie sich in einigen Jahren ohnehin zurückziehen würden und von daher die Umsetzung schon aus Kostengründen verweigern wollten.  

Alternativlos wird mithin die Kooperation mit der GEMATIK. Mit klaren Worten wurden auch die von Fördergeldern gespeisten Selbsthilfegruppen in dem Szenario angesprochen, auch hier wird es zu deutlichen Verschiebungen insbesondere bei der Finanzierung kommen, traditionelle Antrags- und Bewilligungsmuster werden ersatzlos abgeschafft und Effizienzen im Hinblick auf Informationsarbeitneu bewertet werden.


Was bedeutet das im Einzelnen?

 

Zunächst ist das alles nicht wirklich neu, interessierte Leserschaft weiss das alles seit mehreren Jahren. Die Digitalisierung beginnt nicht heute, sie ist lange bekannt und in Teilen umsetzbar gewesen. Alle essentiellen Parameter wurden nur mit unerwartetem Nachdruck formuliert, die Unzweideutigkeit der Aussagen überraschte durchaus. Das Bundesministerium für Gesundheit nimmt für sich in Anspruch, heute ohne Anbindung an traditionelle Konventionen geführt zu werden. Der Minister verkörpert nicht mehr das Bild vom „höchsten Beamten“ seiner Behörde, sondern er agiert wie ein CEO eines internationalen Konzerns und die Leitungsebene des Ministeriums ist zu einem agilen, konversations- und allzeit antwortfähigen Expertenteam avanciert. Die Leitungsebene des Ministeriums, die zum Digitalisierungsgipfel erwartungsgemäß hochrangig vertreten war, definiert sich nicht mehr als „Amtsstube mit Anwesenheitspflicht und Umlaufmappen“, sondern als Player im globalen Markt und die zentralen Akteure sind heute an 7 Tagen in der Woche online im Geschäft. Die Zeiten von links gelochten Aktenstapeln sind endgültig vorbei. Die führenden Akteure in der Verwaltung haben das Papier aus den Büros verbannt. Dass nahezu alle Teilnehmer des Digitalisierungsgipfels mit modernstem Equipment den Diskussionsbeiträgen folgten und längst selbst umfänglich und überdurchschnittlich und internationalvernetzte Akteure sind, braucht kaum mehr erwähnt werden. 

 

Zugleich ist mit erstaunlicher Geschwindigkeit, zuweilen binnen weniger Wochen, ein enormes Dienstleistungsnetz rund um das Thema entstanden. Betrachtet man beispielsweise die in den Gesundheitsmarkt eingestellten Portale der Deutsche Arzt AG, deren Vorstand gerade in der kommenden Woche ein neues Modul für Orthopädie und Physiotherapie mit Marktführungspotenzialdigital freischalten wird, dann wird auch klar, dass kleine Anbieter mittelfristig kaum Chance mehr haben, wenn sie sich den Wertschöpfungsansinnen der großen Akteure nicht anschliessen oder unterwerfen. Das dürfte auch bei bislang sehr erfolgreich arbeitenden Praxismodulen zu signifikanten Verschiebungen führen und weitreichende Folgen auch für die Warenwirtschafts- und Zulieferwirtschaft zeitigen. Dass im Gesundheitsmarkt nicht „zimperlich“ agiert wird, ist nicht neu. Neu ist aber die rasante Geschwindigkeit und Entwicklung, die der digitale Markt den Leistungserbringern und Wettbewerbern abringt. 

 

Kaum anders ist es bei den Leistungserbringern im IT-Sektor, wo beispielhaft ein Hamburger Unternehmen auf dem Digitalisierungsgipfelein bezahlbares Interaktionsmudol zur dezentralen Datenverwaltung und Kommunikation zwischen Arzt undPatient mit weitgehend automatisierten Anwendungen marktreif und ohne langfristige Vertragsbindungsfallen präsentierte. Das Produkt ist also nicht mehr in der Konstruktions- oder Erprobungsphase, sondern es ist längst serienfähig im Markt und sofort online verfüg- und anwendbar. Niemand kann also behaupten, dass es keine technischen Lösungen gäbe, sie sind längst vorhanden. Auch die Kritiker von zentralisierten Datenerfassungsmodulen werden bedient, es gibt längst anwenderfreundliche, dezentral organisierte Module zu geradezu profan günstigen ökonomischen Modalitäten auf dem Markt, die in anderen Ländern seit vielen Jahren bereits laufen und dort ebenso unauffällig wie selbstverständlich ihren Dienst tun, ihren Zweck erfüllen und zurückliegend nie in Havarieszenarien auffällig wurden.

 

Unzählige StartUps stehen in den Startlöchern und buhlen um die Gunst der Kostenträgerwirtschaft auf Anerkennung eines relevanten Nutzens, um mit ihren Produktkomponenten auf ärztliches Rezeptverschreibungsfähig zu werden. Man muss hier enorme Reibungsverluste kalkulieren, sehr viele der ambitionierten Kreativschmieden, die sich regelmässig mit Fremdkapital an technischen Highend-Lösungen heranwagen oder versuchen, werden den Zulassungsprozess nicht schaffen oder im Massenmarkt unbrauchbarer Applikationsanwendungen untergehen. Vielfach wurden die Produktideen junger Akteure und StartUps von den Marktteilnehmern aufgekauft, um sie still zu legen und den Markt zu bereinigen. Betrachtet man heute beispielsweise die Crowdfinance- und Crowdfunding-Prozesse, sind manche Szenarien auf dem Weg ins Desaster. Es wurden vielfach enthusiastische Ideen und völlig unrealistische Prognosen in öffentlich prospektierten Crowdfinance-Aktionen publiziert und Geld von Anlegern und Investoren eingesammelt, das kaum zurück fliessen wird. Auch hier wird sich der Markt jedoch schnell beruhigen und Solidität und realistische Risikoanalyse zurück kehren.


Was die IT-und Datensicherheit anlangt, verspricht niemand das ultimative Modul. Anwenderfehler haben immer und werden auch zukünftig zu signifikanten Sicherheitsrisiken avancieren. Insbesondere der Verbraucher wird der größte Risikofaktor in dem System sein, weil zulassungsgeprüfte, verschreibungsfähige Anwendungen momentan noch weitgehend unbekannt sind, in einigen Monaten aber schon erkennbare Verbreitung erfahren haben werden. Neue Module bringen neue Erkenntnisse und die IT-Unternehmen im Markt werden wachsam und 24/7 den Übergang von der analogen zur digitalisierten Kommunikation zwischen Leistungserbringern und Verbrauchern begleiten müssen. Haftungsregeln und Assekuranzbedingungen werden in Einklang zu bringen sein und all dies muss binnen der nächsten 12 Monate komplett umgesetzt werden. 

 

Zusammenfassend kann rapportiert werden, dass in diesem kapitalen Umbruch die „Schnellen“ gewinnen werden. Nur die Unternehmen werden bestehen, die mit Kapital und Manpower binnen kürzester Zeit Lösungsmodule in den Markt stellen können. Das ist für die breite Konsumentenschaft in Deutschland noch sehr neu. Zurückliegend zählten Expertise und Connection erstrangig, um im Markt zu bestehen. In Zukunft wird es zweifelsohne ein Markt sein, in dem mit geradezu brutaler temporärer Kompression und mit finanzstarken Ellenbogen die Wertschöpfungsteilnahme erreicht werden wird. Und es wird die Zeit der Beratung- und Aufklärung-Dienstleister kommen. Der Endverbraucher muss mit flächendeckend wirksamen Aktionen an die Thematik und die Details des Systems herangeführt werden. Hier werden Stressmomente abzubauen sein, denn gerade ältere, gar auch pflegebedürftige Patienten, die nicht im Umgang mit digitalen Komponenten geübt sind, müssen und werden ebenfalls und alternativlos in die neuen Module eingebunden sein. Hier werden insbesondere die Patientenvertretungen, Sozialverbände, Krankenkassen und kommunale Informationsinstanzen gefordert sein, den weniger geübten Kunden Hilfestellung zu leisten. 

 



Absender/Autor: 

 

Joachim Maurice Mielert 
Postfach 1501, 25735 Heide 
Tel.: 0481 - 149 22 99-0 

 

 

 

 




 

 
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