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Bericht vom 2. Digitalisierungsgipfel im Gesundheitswesen am 15.16. November 2019 in Berlin



Digitalisierung im Gesundheitswesen ohne jede Alternative und ohne weitere Schonfristen

2.Digitalisierungsgipfel für das Gesundheitswesen mit spannendem Content
von J.M.Mielert, Heide


Bei dem am 15./16. November 2019 stattgefunden 2.Digitalisierungsgipfel für das Gesundheitswesen trafen sich die 100 führende Akteure und Meinungsbildner mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft zu einem interdisziplinären Meinungsaustausch im Hotel Adlon in Berlin. Was längst zu erkennen ist, wurde vom Bundesministerium für Gesundheit mit erfrischend klaren Worten hinter verschlossenen Türen benannt: ab dem 2. Januar 2021 wird jeder Akteur im Gesundheitsbetrieb, ob Landarzt oder Klinikkonzern, ob Versicherungsunternehmen oder noch so kleine Apotheke auf dem Dorf die volle Wucht des Sanktionsapparates zu spüren bekommen, wenn bis dahin nicht die vollständige Umsetzung der Digitalisierung des Alltagsbetriebes inclusive der Bereitstellung von Daten für die elektronische Gesundheitsakte für gesetzlich Versicherte einschliesslich der Einbindung von Konnektoren in Praxen aller Disziplinen mit Kassenzulassung abgeschlossen wurde. Im Einzelnen legte das Ministerium klare Zahlen vor. 

In den kommenden 13 Monaten werden

109 gesetzliche Krankenkassen
70 Millionen gesetzlich Versicherte
2000 Kliniken
20.000 Apotheken
176.000 Haus-, Fach- und Zahnarztpraxen
2,3 Millionen sonstige Gesundheitsfachberufe und -handwerker

die Einbindung in die Vernetzung mit der GEMATIK abschliessend bewerkstelligt haben müssen. 

Das ist zweifellos das ambitionierteste Technisierungsvorhaben, welches je in Deutschland gab. Das BMG gab jedoch sehr deutlich zu verstehen, dass nicht der Minister die Akteure in das System einbinden lassen werde, sondern die Akteure sich an das System anschliessen müssten.  Es wurden treffende Vergleichsbeispiele angeführt, die die Lösbarkeit eines technisch orientierten Ansinnens verdeutlichen. Um 50 Millionen Teilnehmer für ein System zu erreichen, bedurfte es ab Einführung der analogen Telefonie in Deutschland 50 Jahre. Um 50 Millionen Menschen in die Technologie und den alltäglichen Umgang mit Smartphones zu integrieren, bedurfte es 12 Jahre. Um 50 Millionen Menschen für ein online-moduliertes Spiel wie "Pokemon go" zu erreichen, wurden gerade einmal 19 Tage benötigt. Dies verdeutlicht Entwicklungsschritte, die vor dem jeweiligen Start eines Produktes  niemand prognostiziert hätte. Im Jahre 2017 gab es beispielsweise nur in Schleswig Holstein 17 Millionen Patienten-Arzt-Kontakte, sei es ein kurzer Anruf in der Praxis oder eine persönliche Konsultation oder ein stationäres Ereignis. Diese Zahlen belegen, dass neue, andere, moderne Kommunikationstools alternativlos sind und der Erfolg gibt den Akteuren in anderen Ländern Recht.

Das Bundesministerium für Gesundheit wird die Umsetzung bis zu diesem Stichtag mit allen nur denkbaren Unterstützungsangeboten begleiten, kennt aber ab dem 2. Januar 2021 keinen Verhandlungsspielraum mehr und lässt dann Sanktionen in Höhe von 2,5% des kompletten Jahresverwaltungshaushaltes der gegen die Richtlinien verstoßenden Akteure bescheiden.Der Sanktionshebesatz wurde bewusst von 0,5 auf 2,5% erhöht, um die Sache mit Nachdruck ins Ziel zu bringen. Sanktionen dürfen nicht aus der Portokasse bezahlbar sein. Ausdrücklich klar gestellt wurde, dass man nicht über eine „Kann“-Regelung spricht, sondern über eine „Muss“-Vorgehensweise. Das Ministerium ist sich der Tragweite des Projektes bewusst und kennt auch die Vorbehalte, Kritiken und widerstreitenden Meinungen. Es wurde im Ergebnis jedoch argumentiert, dass man datenschutzrechtliche Handicaps oder auch Fehlstellungen selbstverständlich erst dann sprechen kann, wenn es überhaupt Datenströme und flächendeckende Anwendungen gibt und unbedingt zu vermeiden sei, dass man hier synthetische Debatten mit rückwärtsgewandten Denkansätzenbefeuert. Die Bundesrepublik Deutschland hat eines der besten medizinischen Versorgungssysteme weltweit, ist aber im Hinblick auf moderne Kommunikationsanwendungen der führenden 18 Staaten der Welt auf Platz 17. Das ist zu ändern und das wird geändert werden, notfalls gegen jede Kritik. 

Es ist in das Umsetzungsszenario auch eingepreist, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Leistungserbringern aufgeben oder scheitern wird. Die Marschrichtung ist absolut eindeutig und wurde klar benannt: auch wenn ein Arzt oder eine Apotheke beabsichtigen, nur noch wenige Jahre im Markt zu agieren, werden sie dennoch sofort auf alle digitalen Module und interaktive Kommunikationumstellen müssen. Es wird auch keine weiteren Übergangs- oderSchonfristen geben, selbst Härtefälle bleiben ausgeschlossen. Auch ein „Fahrzeug, das man möglicherweise nur noch kurze Zeit benutzen will, darf man nicht mit abgelaufener TÜV-Plakette bewegen“, so die klare Ansage aus dem Ministerium, um den ultimativen Handlungsrahmen auch gegenüber denjenigen Leistungserbringern allgemeinverständlich zu formulieren, die argumentieren, dass sie sich in einigen Jahren ohnehin zurückziehen würden und von daher die Umsetzung schon aus Kostengründen verweigern wollten.  

Alternativlos wird mithin die Kooperation mit der GEMATIK. Mit klaren Worten wurden auch die von Fördergeldern gespeisten Selbsthilfegruppen in dem Szenario angesprochen, auch hier wird es zu deutlichen Verschiebungen insbesondere bei der Finanzierung kommen, traditionelle Antrags- und Bewilligungsmuster werden ersatzlos abgeschafft und Effizienzen im Hinblick auf Informationsarbeitneu bewertet werden.

Was bedeutet das im Einzelnen?

Zunächst ist das alles nicht wirklich neu, interessierte Leserschaft weiss das alles seit mehreren Jahren. Die Digitalisierung beginnt nicht heute, sie ist lange bekannt und in Teilen umsetzbar gewesen. Alle essentiellen Parameter wurden nur mit unerwartetem Nachdruck formuliert, die Unzweideutigkeit der Aussagen überraschte durchaus. Das Bundesministerium für Gesundheit nimmt für sich in Anspruch, heute ohne Anbindung an traditionelle Konventionen geführt zu werden. Der Minister verkörpert nicht mehr das Bild vom „höchsten Beamten“ seiner Behörde, sondern er agiert wie ein CEO eines internationalen Konzerns und die Leitungsebene des Ministeriums ist zu einem agilen, konversations- und allzeit antwortfähigen Expertenteam avanciert. Die Leitungsebene des Ministeriums, die zum Digitalisierungsgipfel erwartungsgemäß hochrangig vertreten war, definiert sich nicht mehr als „Amtsstube mit Anwesenheitspflicht und Umlaufmappen“, sondern als Player im globalen Markt und die zentralen Akteure sind heute an 7 Tagen in der Woche online im Geschäft. Die Zeiten von links gelochten Aktenstapeln sind endgültig vorbei. Die führenden Akteure in der Verwaltung haben das Papier aus den Büros verbannt. Dass nahezu alle Teilnehmer des Digitalisierungsgipfels mit modernstem Equipment den Diskussionsbeiträgen folgten und längst selbst umfänglich und überdurchschnittlich und internationalvernetzte Akteure sind, braucht kaum mehr erwähnt werden. 

Zugleich ist mit erstaunlicher Geschwindigkeit, zuweilen binnen weniger Wochen, ein enormes Dienstleistungsnetz rund um das Thema entstanden. Betrachtet man beispielsweise die in den Gesundheitsmarkt eingestellten Portale der Deutsche Arzt AG, deren Vorstand gerade in der kommenden Woche ein neues Modul für Orthopädie und Physiotherapie mit Marktführungspotenzialdigital freischalten wird, dann wird auch klar, dass kleine Anbieter mittelfristig kaum Chance mehr haben, wenn sie sich den Wertschöpfungsansinnen der großen Akteure nicht anschliessen oder unterwerfen. Das dürfte auch bei bislang sehr erfolgreich arbeitenden Praxismodulen zu signifikanten Verschiebungen führen und weitreichende Folgen auch für die Warenwirtschafts- und Zulieferwirtschaft zeitigen. Dass im Gesundheitsmarkt nicht „zimperlich“ agiert wird, ist nicht neu. Neu ist aber die rasante Geschwindigkeit und Entwicklung, die der digitale Markt den Leistungserbringern und Wettbewerbern abringt. 

Kaum anders ist es bei den Leistungserbringern im IT-Sektor, wo beispielhaft ein Hamburger Unternehmen auf dem Digitalisierungsgipfelein bezahlbares Interaktionsmudol zur dezentralen Datenverwaltung und Kommunikation zwischen Arzt undPatient mit weitgehend automatisierten Anwendungen marktreif und ohne langfristige Vertragsbindungsfallen präsentierte. Das Produkt ist also nicht mehr in der Konstruktions- oder Erprobungsphase, sondern es ist längst serienfähig im Markt und sofort online verfüg- und anwendbar. Niemand kann also behaupten, dass es keine technischen Lösungen gäbe, sie sind längst vorhanden. Auch die Kritiker von zentralisierten Datenerfassungsmodulen werden bedient, es gibt längst anwenderfreundliche, dezentral organisierte Module zu geradezu profan günstigen ökonomischen Modalitäten auf dem Markt, die in anderen Ländern seit vielen Jahren bereits laufen und dort ebenso unauffällig wie selbstverständlich ihren Dienst tun, ihren Zweck erfüllen und zurückliegend nie in Havarieszenarien auffällig wurden.

Unzählige StartUps stehen in den Startlöchern und buhlen um die Gunst der Kostenträgerwirtschaft auf Anerkennung eines relevanten Nutzens, um mit ihren Produktkomponenten auf ärztliches Rezeptverschreibungsfähig zu werden. Man muss hier enorme Reibungsverluste kalkulieren, sehr viele der ambitionierten Kreativschmieden, die sich regelmässig mit Fremdkapital an technischen Highend-Lösungen heranwagen oder versuchen, werden den Zulassungsprozess nicht schaffen oder im Massenmarkt unbrauchbarer Applikationsanwendungen untergehen. Vielfach wurden die Produktideen junger Akteure und StartUps von den Marktteilnehmern aufgekauft, um sie still zu legen und den Markt zu bereinigen. Betrachtet man heute beispielsweise die Crowdfinance- und Crowdfunding-Prozesse, sind manche Szenarien auf dem Weg ins Desaster. Es wurden vielfach enthusiastische Ideen und völlig unrealistische Prognosen in öffentlich prospektierten Crowdfinance-Aktionen publiziert und Geld von Anlegern und Investoren eingesammelt, das kaum zurück fliessen wird. Auch hier wird sich der Markt jedoch schnell beruhigen und Solidität und realistische Risikoanalyse zurück kehren.

Was die IT-und Datensicherheit anlangt, verspricht niemand das ultimative Modul. Anwenderfehler haben immer und werden auch zukünftig zu signifikanten Sicherheitsrisiken avancieren. Insbesondere der Verbraucher wird der größte Risikofaktor in dem System sein, weil zulassungsgeprüfte, verschreibungsfähige Anwendungen momentan noch weitgehend unbekannt sind, in einigen Monaten aber schon erkennbare Verbreitung erfahren haben werden. Neue Module bringen neue Erkenntnisse und die IT-Unternehmen im Markt werden wachsam und 24/7 den Übergang von der analogen zur digitalisierten Kommunikation zwischen Leistungserbringern und Verbrauchern begleiten müssen. Haftungsregeln und Assekuranzbedingungen werden in Einklang zu bringen sein und all dies muss binnen der nächsten 12 Monate komplett umgesetzt werden. 

Zusammenfassend kann rapportiert werden, dass in diesem kapitalen Umbruch die „Schnellen“ gewinnen werden. Nur die Unternehmen werden bestehen, die mit Kapital und Manpower binnen kürzester Zeit Lösungsmodule in den Markt stellen können. Das ist für die breite Konsumentenschaft in Deutschland noch sehr neu. Zurückliegend zählten Expertise und Connection erstrangig, um im Markt zu bestehen. In Zukunft wird es zweifelsohne ein Markt sein, in dem mit geradezu brutaler temporärer Kompression und mit finanzstarken Ellenbogen die Wertschöpfungsteilnahme erreicht werden wird. Und es wird die Zeit der Beratung- und Aufklärung-Dienstleister kommen. Der Endverbraucher muss mit flächendeckend wirksamen Aktionen an die Thematik und die Details des Systems herangeführt werden. Hier werden Stressmomente abzubauen sein, denn gerade ältere, gar auch pflegebedürftige Patienten, die nicht im Umgang mit digitalen Komponenten geübt sind, müssen und werden ebenfalls und alternativlos in die neuen Module eingebunden sein. Hier werden insbesondere die Patientenvertretungen, Sozialverbände, Krankenkassen und kommunale Informationsinstanzen gefordert sein, den weniger geübten Kunden Hilfestellung zu leisten. 



Absender/Autor: 
Joachim Maurice Mielert 
Postfach 1501, 25735 Heide 
Tel.: 0481 - 149 22 99-0 
www.amovista.com
info@amovista.com




Auf ein Wort: Selbsthilfe!
von J.M.Mielert, AMOVISTA Projekte, Heide


Schwer kranke Menschen benötigen nicht nur eine gute medizinische Behandlung, sie brauchen auch eine multiprofessionelle psychosoziale, spirituelle und seelsorgerische Begleitung. Viel zu oft übersieht unsere hochtechnisierte und ökonomisierte Medizin den individuellen Menschen und 

reduziert das Kranksein auf das Nichtfunktionieren eines Organs oder Organsystems. Daneben erleben wir - je „zivilisierter“ eine Gesellschaft sich gibt oder erscheinen möchte, umso deutlicher - ein antisolidarisches Klima gesellschaftlicher Kälte, in dem alte, kranke und oder gar hinfällige Menschen zunehmend als Last empfunden und an den Rand gedrängt werden. „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ ist das Credo unserer Tage. Empathie und Pflege „kauft“ und „bezahlt“ man und erwartet von den „Dienstleistern“ insoweit Pflichtbewusstsein und Disziplin. Ist Oma krank, so kommt sie ins Heim. Ist Oma tot, so kommt sie ins Kühlhaus, bis wir einen Termin zum Begräbnis haben. Dass Oma der Ursprung der eigenen Existenz ist, wird beharrlich ausgeblendet. Es gibt ganze Bände jüngster Gesetze und Rechtsfindungen, die Oma zum „klagegegenständlichen Objekt“ machen. Für Omas Wohlbefinden gibt es keine Apps, Oma ist nicht teil der „neuen Welt“ aus Bits und Bytes. Für Omas Wohl reist der Gesundheitsminister ans andere Ende der Welt und schaut nach, ob es dort „Pflegekräfte“ gibt, die unserem wachstumsorientierten Wirtschaftssystem Dividenden ermöglichen, weil sogar lateinamerikanische Pfleger unter Verzicht auf die Einbindung in die eigenen Familien sich aufopfernd und billig unserem System andienen müssen.


 

All diesen Umständen muss man mit Deutlichkeit entgegentreten und den Unterschied zwischen Verantwortung und Verantwortlichkeit benennen. Natürlich ist der Abgeordnete in einem Parlament oder der Stadtverordnete einer Gemeinde nicht „verantwortlich“ dafür, daß ein Pflegebedürftiger morgens früh mit den für ihn essentiellen Hilfsleistungen versorgt wird. Passiert es aber nicht, so trifft ihn als Teil der Gesellschaft auch die unmittelbare, ja eine hervorgehobene Verantwortlichkeit für das Defizit. 

 

 

Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass es eine Jahrtausende alte Tradition ist, dass Menschen für Menschen eintreten und sich ohne Wertschöpfungsgedanken gegenseitig zur Hilfe bereit stehen. Bereits vor über 3.000 Jahren gingen Menschen zu den Kranken und standen diesen bei. Schon in früharamäisch, später in hebräisch abfassten Schriften findet sich die Begrifflichkeit des „Bikkur Cholim“. Die christlichen Religionen arbeiten mit der Begrifflichkeit der „Nächstenliebe“. Gemeint ist u.a. damit auch, dass jedermann, der es kann, „machbare Hilfe für Kranke und Hilfsbedürftige“ zu leisten hat. 

 

 

Wir sprechen also nicht über „moderne Dienstleistungssparten“, wir denken über die Grundfeste unserer Zivilisation nach. Man braucht zur Erkenntnis um diese Grundfeste keine tiefere humanistische Bildung, man muss lediglich das Herz öffnen. Rationale, politische oder vermeintlich übergeordnete Aspekte und Interessen haben absolut keinerlei Argumentationsberechtigung.

 

 

Die Selbsthilfe im Ehrenamt ist im weitesten Sinne also Teil einer uralten und ehrbaren Tradition. Die Selbsthilfe leistet „machbare Hilfe für Kranke und Hilfsbedürftige“ und verkörpert insoweit eine hohe ethische, moralische und soziale Kompetenz und Komponente. Das wird zuweilen in despektierlicher Weise aus dem Wissens- und Meinungsbildungsprozess ausgeblendet, wenn über „Hilfsangebote“ aus politischem oder gar staatlichem Aktionsfeld gesprochen wird. Wenn in den Fluren des Parlaments und den Amtsstuben der kommunalen Gebietskörperschaften parteiübergreifend argumentiert wird, dass die „Versorgung“ in unserem Land „überdurchschnittlich“ ist, dann wird gerne verschwiegen, dass ohne die Millionen ehrenamtlichen Akteure alle Versorgungsmodule in diesem Land längst implodiert wären. Wir haben uns alle daran gewöhnt, dass die Feuerwehr kommt, wenn es brennt oder der Rettungswagen uns bei Notlagen zur Seite steht. Längst haben wir auch unsere komplette Verbraucherberatung und die kommunalen Organigramme auf die Schultern des Ehrenamtes verfrachtet, auch die Patientenselbsthilfe gehört dazu. Dass uns im Regelfall Menschen gegenüberstehen, die sich im Ehrenamt für die „machbare Hilfe für Kranke und Hilfsbedürftige“ engagieren, bleibt im Wertschätzungs- und Kalkulationsprozess des Staates meist auf der Strecke. Bezeichnenderweise habe ich auf diesseitige Kritik, selbst Beauftragte für Menschen mit Behinderung im kommunalen Sektor nur im Ehrenamt zu verpflichten, keine Reaktion erfahren...

 



 

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J.J.Hochstein, Hafen,1928, Privatbesitz

Schnell noch einen Kaffee, Fräulein Müller! Bevor er kalt ist!
von J.M.Mielert

"Healthcare" ist für die führenden High-Tech-Unternehmen einer der wachstumsstärksten Absatzmärkte überhaupt. Die Zukunft aller Wertschöpfungsketten im Gesundheitswesen orientiert sich an den Parametern einiger weniger Player weltweit. Diese Entwicklung wird in Reihen der deutschen Politik weitgehend ausgeblendet. Zwar ist Deutschland noch immer einer der führenden Forschungsstandorte weltweit, jedoch sind die Denk- und Handlungsmuster in den regulativ agierenden Verwaltungen kapital rückständig. Das macht sich nicht nur im industrie- und kommunikationspolitischen Umfeld bemerkbar, wo Deutschland nun mit Jahren Verspätung über die 5G-Technologie mit geradezu planwirtschaftlicher Attitüde kleinschrittig vorgeht, sondern auch bei der mittelfristigen Finanzplanung des Landes. Ganze Heerscharen von Arbeitern basteln 2018 an Kabelstrukturen für die technisch längst überalterte Breitbandversorgung herum, während beispielsweise in den asiatischen Staaten, nicht minder aber auch im Baltikum die 5G-Standarts seit mehreren Jahren flächendeckend Normalität sind und Konsumenten annähernd kostenfrei zur Verfügung stehen. Erinnert man den medialen Auftritt anlässlich zurückliegender Sportevents in Südkorea, dann wurde die Rückständigkeit hier zu Lande tragisch offenkundig.

Wer macht was im Moment? Dr. Simos Kos treibt im Namen seines Arbeitgebers Microsoft mit schier unglaublicher Energie und unter Einsatz nahezu unlimitierter Mittel die Entwicklung der Vernetzung von Medizin und Pflege voran. Die technischen Parameter sind dabei nicht nur auf reine Daten- und Informationsübermittlung focusiert, das wäre ein längst bestellter Acker. Microsoft arbeitet mit Wucht an Automatisierungsprozessen in der Diagnostik und der praktischen Umsetzung pflegerischer Handreichungen unter Einsatz autonomer, technischer Entscheidungsabläufe. Das ist nicht nur ein spannendes Feld, sondern die kaum vorbereitete Dienstleistungssparte in Europa, die noch mit Spritze und Tupfer, Kugelschreiber und Zettel über die Flure der Kliniken rennt, wird sich binnen weniger Jahre mit deutlichen Qualifikationslücken beschäftigen müssen. Noch stehen die Prototypen hochleistungsfähiger Roboter in den Kellern bei Microsoft, in 10 Jahren jedoch wird sich die dann längst und weitgehend automatisierte Versicherungswirtschaft um diese Apparate reissen und heutige, antiquiert anmutende Kostentools schliessen.

Bei Apple arbeitet man prinzipiell und seit jeher an vollständig gekapselten Systemen, um Abhängigkeiten marktübergreifend zu schaffen. Apple steht bereits heute mit technischen Parametern zur Individualdiagnostik am Start und erste Vernetzungskomponenten sind längst Realität. So ist Apple bereits heute in der Lage, wesentliche Vitaldaten eines Menschen online zu überwachen und an sowohl die Akteure im Gesundheitswesen, als auch und beispielsweise an die Rechnertools der Versicherungswirtschaft zu kommunizieren. Die Apple Watch ist weit ausgereifter, als der heutige Konsument vermuten würde. Die Watch ist eine flächendeckend funktionierende Schnittstelle zwischen Patient und kostenbewusster Gesundheitsindustrie. Heute steckt man sich noch im Wartezimmer des Hausarztes an den Erkrankungen der Mit-Wartenden an. In wenigen Jahren wird Apple längst vor dem Patienten selbst wissen, wann er krank werden wird und aktiviert dann Versorgungsprozesse, die bewirken werden, dass dem Patienten längst vor dessen erstem Unwohlsein die richtigen Tabletten zum Frühstück serviert werden. Die weitgehend automatisierte Versicherungswirtschaft wird gigantische Profite generieren und der Landarzt braucht kein Wartezimmer mehr.

Schaut man sich die Aktivitäten bei Google an, dann wird klar, in welche Richtung die Reise geht. Dort wird an der Digitalisierung des Menschen geforscht und gearbeitet. Implantierte Microchips werden die fehlerüberfrachtete Basisdiagnostik von Menschen an Menschen ersetzen. Der Arzt braucht nicht nur kein Wartezimmer mehr, er wird erst bei Vorliegen gesicherter Diagnosen überhaupt in den Behandlungsprozess eingebaut. Sein Wirken wird dabei weniger medizinisch-fachlich sein, sondern befriedigt dann eher eine soziale Notwendigkeit im Umgang mit dem Patienten. Wenn heute der Hausarzt im Lichte gestiegener Cholesterinwerte dem Patienten ein regulierendes Präparat appliziert, werden morgen bereits technisch generierte Massnahmen greifen, die den Cholesterinwert des medial überwachten Patienten erst gar nicht ansteigen lassen. Die künstliche Intelligenz wird die Handlungsparameter des Menschen bestimmen. Anfänglich wird es zu Skepsis in allen Sparten der Gesellschaft kommen, doch der Mensch ist schlussendlich ein Gewohnheitstier...

Die Technologie-Giganten sind nicht nur Treiber im System, sondern in erster Linie Getriebene. Wer nicht mit Billionen-Investitionen forscht und umsetzt, wird vom Markt verschwinden. Längst vor 2040 oder 2045 werden wir erleben, dass Player im Gesundheitsmarkt Gen-Therapien umgesetzt haben werden. Mit den Mitteln der künstlichen Intelligenz werden dann am Erbgut des Patienten Stellschrauben bewegt werden, schlussendlich zu seinem Wohl. Gen-Editing wird die molekurare Medizin binnen weniger Jahre komplett verändern, die Multi-Billionen-Butgets der Konzerne werden ihre Wirkung nicht verfehlen. Regenerative Medizin wird zum Thema in den Fluren erstaunter Lobbyisten und Politiker werden, gar zumal diesen Technologien dann mit dem Argument der Nachhaltigkeit auch Traditionalisten folgen werden. Ganze Brigaden hochverdienter Persönlichkeiten werden mit dem Brustton der Überzeugung an den tatsächlichen Themen unserer Zeit vorbei argumentieren, publizieren und regieren. Entgegen manigfacher heutiger Prognosen und auch entgegen ethikbezogener Bremswirkungen diverser Glaubensrichtungen wird es eine weitflächige Akzeptanz bei den Menschen für die Technologien einiger, weniger Player im Markt geben. Schenkt man dem Patienten von morgen eine hochprofitable Vorzugsaktie, wird er sich eilig den universaltätigen Chip des Aktienemittenten implantieren lassen und wenn dann noch die  Krankenversicherungsprämie um 25% fällt, dann hat sowohl der Anwender, als auch der Gesundheits- und Sozialpolitiker keine arbeitsmarktstrukturierten  Bedenken mehr ob des Wohls der beschäftigungslos gewordenen Angestellten im Versicherungsbüro oder der Arztpraxis um die Ecke.

In Deutschland wird man auch noch weitere Legislaturen lang im Tiefschlaf verharren und man wird sich über die Frage unterhalten, ob ein 12-jähriger Bengel nun mit oder ohne WLAN-Tablet in der Schule Wissen vermittelt bekommen soll und ob ein bildungspolitisch sinnvoller Eingriff des Bundes die Länderhoheit verletzen könnte. In anderen Staaten, auf die wir heute unverdient hochnäsig heruntersehen und die wir als "Dritte-Welt" bezeichnen, muss sich um die Frage des WLAN-Ausbaues in Schulen längst niemand mehr kümmern, weil dort bei Vorhandensein modernster, mobiler Netzstrukturen gar kein WLAN mehr gebraucht wird. Europa beherbergt und beheimatet nicht einen einzigen der volkswirtschaftlich systemrelevanten Tech-Giganten, die den Gesundheitsmarkt der Zukunft bestimmen werden. Auch das Land der Denker und Tüftler im Herzen Europas wird eine Zäsur erleben, deren Wirkmächtigkeit besonders deshalb so überdurchschnittlich sein wird, weil die traditionellen Denk- und Handlungsmuster eigenverantwortlicher Gewohnheiten radikale Umkehr und mithin soziale Verwerfung erfahren werden.

Als im Juni 2013 im Vorwege der damaligen Bundestagswahl deutlich über 500 Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft die "Wolfsburger Erklärung" unterzeichneten und sowohl Bildungsreformen, als auch technische Investitionen in den allgemeinen und den Hochschulbetrieb Deutschlands anmahnten, sah man Zukunftskongresse noch sektenähnliche Veranstaltungen an. "Damals" eiferte man um LTE-Standarts und nicht wenige der seinerzeitigen Meinungsbildner hatten noch ein 3G-Mobiltelefon in der Hosentasche. Heute ist das alles schon so "kalter Kaffee", dass selbst in Entwicklungsländern 12- und 15-jährige Kinder diese Geräte nicht mehr geschenkt haben wollen. Ob den Akteuren in Berlin, die sich gerne mit Nationalismen und Richtungsentscheidungen nach links, zur Mitte oder nach rechts zu profilieren suchen, die Geschwindigkeit des durchfahrenden Zuges bewusst ist, darf ernsthaft bezweifelt werden.

Schnell noch einen Kaffee, bevor er in der Kanne kalt ist...


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