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Titandioxid 


Titandioxid in Medikamenten ist ein Thema, das rund 91.000 Produkte betrifft. Die EU-Kommission hat für den gesamten Lebensmittelbereich Titandioxid ab 2022 verboten. Für Medikamente jedoch greift das Verbot nicht. 

Unsere Argumentation ist ebenso einfach wie logisch:

Was für Lebensmittel offenkundig schlecht war und ist, kann für Medikamente nicht gut sein. 

Mit diesem einfachen Satz sind wir an eine Vielzahl von Hersteller, Behörden, Parteien, Institutionen, Verbände und an die Bundesregierung  in Berlin heran getreten und haben nachgefragt.


Unsere Frage an Mitglieder des Bundestags-Gesundheitsausschusses beispielsweise lautete:


Wie priorisieren Sie ganz persönlich „Patientensicherheit“, wenn ab 2022 EU-weit mutmasslich gesundheitsschädliches Titandioxid in Lebensmitteln zwar verboten, in Medikamenten aber erlaubt bleibt?

Die EU-Kommission hat ab 2022 den Einsatz von Titandioxid in allen Lebensmitten verboten und folgt damit dem Vorsorge- und Präventiongedanken im Sinne des Verbraucherschutzes in allen Mitgliedsstaaten, also auch in Deutschland. Das ist gut! Bei der Herstellung und Inverkehrbringung von Arzneimitteln, die in besonderer Weise das Vertrauen des Konsumenten bedingen, gilt diese Regel nicht. Das ist schlecht! Die Pharmawirtschaft adressiert das Argument in Gefahr stehender Versorgungssicherheit oder gar unterbrochener Lieferketten an die Politik, um entweder dauerhaft von der Regel ausgeklammert zu bleiben oder mindestens Übergangsfristen von sehr vielen Jahren auszuhandeln.

Wie werden Sie als Mitglied des Gesundheitsausschusses* auf das Thema reagieren? Ist Patientensicherheit weniger „wert“, als allgemeiner Verbraucherschutz? Können Sie bitte Stellung nehmen zu der Frage, warum die Politik hier erkennbar gegenüber marktmechanistischen Argumenten der Pharma-Lobby einbricht?


* bzw. in Funktion als...


Die Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion im Gesundheitsausschuss, Frau Katrin Helling-Plahr, antwortete uns am 29.12.2021 wie folgt:


Sehr geehrter Herr Mielert,

haben Sie vielen Dank für Ihre Frage.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam nach einer Auswertung aller derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dem Ergebnis, dass Studien mit Titandioxid zur allgemeinen Toxizität und zur Organtoxizität keine Hinweise auf schädliche Effekte liefern. Jedoch konnte auch der Verdacht auf eine erbgutschädigende Wirkung von Titandioxid nicht entkräftet werden. Aufgrund dieser bestehenden Unsicherheiten ist ein Verbot der Verwendung von Titandioxid in Lebensmitteln nachvollziehbar.

Anders als im Lebensmittelbereich wird Titandioxid im medizinischen Bereich nicht allein aus ästhetischen Gründen verwendet, sondern dient u.a. auch dem Schutz von in Medikamenten enthaltenen empfindlichen Wirkstoffen. Verbraucherschützer weisen zudem darauf hin, dass die Zusammensetzung von Arzneimitteln im Gegensatz zu Lebensmitteln nicht so einfach zu ändern wäre. Nach Einschätzungen der Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) könnte eine Umstellung zwischen sieben und zwölf Jahren dauern.

Solange es keinen hinreichenden Beleg der Schädlichkeit von Titandioxid in Arzneimitteln gibt und kein alternativer Ersatzstoff zur Verfügung steht, halte ich die Entscheidung, dass sich das Verbot von Titandioxid nicht auch auf den medizinischen Bereich erstreckt, ebenfalls für nachvollziehbar. Allerdings sind weitere wissenschaftliche Untersuchungen notwendig, deren Ergebnisse Richtschnur für das Handeln der Politik sowohl auf europäischer als auch nationaler Ebene sein müssen. Zudem sollten auch neue Alternativen zu Titandioxid erforscht und nach Möglichkeiten zeitnah eingesetzt werden. Insoweit sind auch die Pharmaunternehmen angehalten, ihre Bemühungen zu intensivieren.

Mit freundlichen Grüßen

Katrin Helling-Plahr


Die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministern Julia Klöckner, heute Oppositionspolitikerin und wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gab am 5.1.2022 eine Kurznachricht ohne Themenbezug ab:


Sehr geehrter Herr Mielert,…

… Sie erreichen mich als Bundestagsabgeordnete für meinen Wahlkreis Kreuznach und als wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion...

Gerne können Sie mir dazu Fragen stellen.

Herzliche Grüße

Julia Klöckner MdB


Wir werden uns erlauben, die Anfrage zu präzisieren und erneut an Frau Klöckner vorlegen zu lassen.



Der FDP-Abgeordnete Maximilian Funke-Kaiser, Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages, antwortet am 5.1.2022 wie folgt:


Sehr geehrter Herr Mielert,

gleich zu Beginn möchte ich klarstellen, dass die Patientensicherheit nicht weniger wert ist als der allgemeine Verbraucherschutz. Dieser Vergleich verbietet sich aus meiner Sicht. Weiterhin ist das Titandioxid-Verbot auch die richtige Entscheidung. Das sollte sowohl für Lebens- als auch langfristig für Arzneimittel gelten.

Das Verbot selbst muss in den Bereichen der Lebens- und Arzneimittel aber auch differenziert betrachtet werden. Dabei geht es nicht um die von Ihnen genannten Lieferketten oder die Versorgungssicherheit, sondern um die Tatsache, welche Aufgabe dieser Stoff in den Arzneimitteln übernimmt. Während es in den Lebensmitteln fast ausschließlich als Farbstoff genutzt wurde, ist es dort nämlich anders. Titandioxid ist bei Arzneimitteln unter anderem dafür zuständig, die empfindlichen Wirkstoffe in Medikamenten zu schützen. Zusätzlich ist die Zusammensetzung von Lebens- und Arzneimitteln äußerst unterschiedlich. Eine in ihrer Wirkung gleichzusetzende Arzneimittelzusammensetzung lässt sich nicht ad hoc ändern. Teilweise kann dies mehrere Jahre dauern.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) appellierte bereits an die pharmazeutischen Hersteller, einen Ersatzstoff zu entwickeln. Es gibt auch bereits Beispiele dafür, dass es klappen kann. So gibt es Ibuprofen-Alternativen, die ohne Titandioxid auskommen. Sofern diese Entwicklung weiter voranschreitet, kann auch ein Verbot bei Arzneimitteln durchgeführt werden. Als Mitglied im Gesundheitsausschuss werde ich dieses Thema auf jeden Fall im Auge haben.

Ich bedanke mich für Ihre Frage und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen

Maximilian Funke-Kaiser


Der Arzt und Gesundheitspolitiker Dr. Janosch Dahmen von Bündnis90/Grüne, Mitglied im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages, schrieb am 6. Januar 2022 folgendes:


Sehr geehrter Herr Mielert,

vielen Dank für Ihre Nachricht zur Verwendung von Titandioxid in Arzneimitteln.

Das können wir auf nationaler Ebene nicht hinreichend beeinflussen. Zu bedenken ist hierbei im Übrigen ein Zielkonflikt:

Einerseits müssen die Verbraucher auch bei Arzneimitteln vor einem als gesundheitsgefährdend geltenden Stoff geschützt werden. Andererseits müssen auch die Interessen der Patientinnen und Patienten bedacht werden.

Würde man den Inhaltsstoff Titandioxid sofort verbieten, würden etliche sehr wichtige Medikamente wegfallen, weil diese aktuell noch Titandioxid enthalten und eine Neuformulierung Zeit benötigt.

Aus unserer Sicht sollte daher zumindest ein Ausstiegsszenario entworfen werden, das den Arzneimittelherstellern die Möglichkeit gibt, ihre Präparate wissenschaftsbasiert neu zu formulieren. Begonnen werden könnte sehr rasch mit den Arzneimitteln, für die bereits Alternativen zu Titandioxid existieren.

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit dieser Antwort weiterhelfen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Janosch Dahmen


Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages, Frau Heike Baehrens, schrieb am 7.1.2022 folgendes:


Sehr geehrter Herr Mielert,

vielen Dank für Ihre Anfrage zum Thema Titandioxid. Dieser Zusatzstoff, der auch als E171 gekennzeichnet wird, dient in Lebensmitteln als weißer Farbstoff und wird insbesondere in Kaugummis, Backzutaten und Backwaren verwendet. Inzwischen gibt es Erkenntnisse, dass die winzigen Nanopartikel, aus denen Titandioxid besteht, körperliche Schutzbarrieren wie die Darmbarriere passieren können. So könnten sie die Darmflora schädigen und zum Beispiel Krebs verursachen.

Auf der Grundlage einer im vergangenen Oktober veröffentlichten Analyse der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zur Verwendung von Titandioxid in Arzneimitteln soll Titandioxid bis auf weiteres als Zusatzstoff erlaubt bleiben. Einer der Gründe für diese Entscheidung ist die Vermeidung von Engpässen. Man müsse zunächst geeignete Alternativen untersuchen und prüfen, um negative Auswirkungen auf die Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit der Arzneimittel auszuschließen. Unbegrenzt Zeit lassen darf sich die Industrie aber nicht, denn die Situation soll in drei Jahren durch die EMA und die Europäische Kommission neu bewertet werden.

Wie die EMA in ihrer Analyse weiter ausführt, wird Titandioxid extensiv in der Arzneimittelherstellung genutzt: Laut den EU-Handelsverbänden enthalten etwa 91.000 Humanarzneimittel und 800 Tierarzneimittel in der EU Titandioxid. Das betreffe so gut wie alle oralen Arzneiformen: Tabletten, Weichkapseln, Hartkapseln, Granulate etc.. Essenzielle Arzneimittel wie Antidiabetika oder Antibiotika seien betroffen. Die verbreitete Nutzung dieses Zusatzstoffs wird damit begründet, dass bislang kein anderes Material identifiziert worden sei, das über die gleiche Kombination an Eigenschaften verfüge.

Als SPD-Bundestagsfraktion nehmen wir den gesundheitlichen VerbraucherInnenschutz sehr ernst. Neben dem gesetzlichen Rahmen spielen hierbei die Forschung und die Risikobewertung von Produkten und Stoffen eine wichtige Rolle. Die wissenschaftliche Beratung der beteiligten Bundesministerien sowie anderer Behörden, wie z.B. des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) oder – wie in diesem Fall – der EMA ist dabei zentral. Daher hoffe ich, dass es schnell zu einem Abschluss des Überprüfungsverfahrens kommt.

Mit freundlichem Gruß

Heike Baehrens


Der langjährig tätige Gesundheitspolitiker und zurückliegende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages, Herr Erwin Rüder MdB, antwortete am 12. Januar 2022 wie folgt:


Sehr geehrter Herr Mielert,

vielen Dank für Ihre Frage.

Nach aktuellem Wissenstand geht von der geringen Menge Titandioxid in Medikamenten kein Gesundheitsrisiko aus.

Denn für die Herstellung von Arzneimitteln gelten sehr strenge Produktionsregeln. Bei Medikamenten dürfen nur drei Prozent des verwendeten Titandioxids in Form von Nanopartikeln vorliegen. Bei Lebensmitteln durfte der Anteil der Nanopartikel hingegen bis zu 50 Prozent beantragen.

Mit freundlichen Grüßen

Erwin Rüddel MdB



Diese Seite wird fortlaufend um eingehende Antworten aktualisiert. Vielen Dank für ihr Interesse!


Gerne können Sie uns Ihre Fragen und Anregungen zu diesem Thema senden. Bitte schicken Sie uns Ihre EMail an 

info@titandioxid.org

Wir werden so schnell wie möglich antworten. 


Presseanfragen an presse@titandioxid.org erbeten

©J.M.Mielert 2022, DOPANET® Wissen & Kommunikation,registrierter Interessenvertreter, eingetragen im Lobbyregister des Deutschen Bundestages zur laufenden Nummer R 00017.

Erklärung zur Transparenz: Die hier aufgerollte Thematik um Titandioxid erfolgt ohne jede Beauftragung von Dritten und ohne Wahrnehmung eines expliziten Interesses für Dritte. Die Fragestellung und Betrachtung des Themas wird ausschliesslich im eigenen und im Interesse der Eigenmarke DOPANET betrieben. 




 
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